Die App „Das Beste des Tages“ mit Hotel Matze – Die Geschichte dahinter

Zusammenfassung
Hier ist die Geschichte dazu
Wie alles begann … Angefangen hat eigentlich alles schon vor acht Jahren. Damals hatten Matze und Philip die Idee, eine schlichte Excel-Tabelle anzulegen. In der einen Spalte trug Matze jeden Tag sein persönliches Highlight ein, in der anderen Philip. Irgendwann begannen die beiden, in ihrer monatlichen Podcast-Folge „Hotel Matze Check-In mit Philip Siefer“ regelmäßig von diesem kleinen Ritual zu erzählen. Sie nutzten es als Aufhänger für Gespräche oder berichteten einfach zwischendurch davon. Sie tauften das Ganze „Das Beste des Tages“.
Lisa, UX/UI-Designerin bei Format D und unter anderem als Shared Lead für den Bereich Kultur verantwortlich, liest in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne Fachliteratur zu Psychologie, Gewohnheiten und Organisationskultur. Natürlich gehört auch der monatliche Check-In von Matze und Philip zu ihren festen Podcast-Favoriten, weshalb sie die Insights von „Das Beste des Tages“ von Anfang an mit verfolgte. Als Lisa 2024 zu einer sechsmonatigen Weltreise aufbrach, fragte sie Alina, ob sie nicht Lust hätte, dieses Ritual privat auszuprobieren. Alina, die bei Format D als Strategieberaterin arbeitet und Wirtschaftspsychologie studiert hat, war sofort begeistert. Also starteten die beiden ihre eigene Excel-Tabelle. Doch nach einem halben Jahr wurde das Ganze zunehmend unübersichtlich. Wie Matze und Philip das acht Jahre lang durchgehalten haben, ist uns bis heute ein Rätsel… An einem Abend kam schließlich der entscheidende Gedanke: Wir entwickeln bei Format D jeden Tag digitale Produkte für andere. Warum bauen wir aus dieser Idee nicht einfach eine eigene App?
Die Motivation dahinter war zweifach. Einerseits wollten wir dem eigenen Tabellenchaos ein Ende setzen. Andererseits spürten Alina und Lisa am eigenen Leib, wie gut dieses kleine Ritual der Dankbarkeit tat. Es ist schließlich nur ein einziger Satz am Tag. Aber genau diesen Satz mit einem anderen Menschen zu teilen, macht einen spürbaren Unterschied. Aus der positiven Psychologie kannten beide die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Dankbarkeitsforschung und wussten um die positiven Effekte auf Wohlbefinden und Resilienz. Im Alltag erfuhren sie zudem, wie nah man sich durch diesen ehrlichen Austausch geblieben ist und eine echte Verbindung aufbaut. In Zeiten von Social Media, in denen es so leicht wie nie ist, vernetzt zu sein, werden echte und tiefe Verbindungen immer seltener. Studien zeigen besorgniserregend, dass sich etwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland stark einsam fühlt. Laut einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung betrifft das bei den 18- bis 29-Jährigen sogar 34 Prozent. Geht es also wirklich um die Menge an Kontakten oder nicht vielmehr um deren Qualität? Mit dem Ziel, einen geschützten Raum für echte Zwischenmenschlichkeit zu schaffen, nahm die App-Idee immer konkretere Formen an.
Wie pitcht man Matze und Philip eine App-Idee?
Als die Idee stand, ging es darum, Matze und Philip davon zu überzeugen und sie als Partner zu gewinnen. Wir schrieben also eine kurze E-Mail an Matze: “Hey, wir haben eure Tabelle nachgebaut und uns bringt das super viel. Wollen wir Das Beste des Tages nicht zusammen zur App entwickeln?” Innerlich schon abgeschrieben, dass wir jemals eine Antwort bekommen, antworteten Matze und Philip direkt am nächsten Tag: “Ja klar, let's talk!”. Kurz darauf trafen wir uns virtuell zu einem ersten Kennenlernen. Wir hatten eine kleine Präsentation mit ersten strategischen Überlegungen und Design-Entwürfen vorbereitet. Vor dem Call waren wir sehr nervös. Doch alle Ängste verflogen augenblicklich, als die beiden auf dem Bildschirm erschienen. Die Chemie hat von der ersten Sekunde an gestimmt.
Schon nach diesem ersten Gespräch war klar, dass wir das Projekt gemeinsam angehen wollen. Auch die Rollen waren schnell verteilt. Format D übernimmt die Konzeption, Entwicklung und den laufenden Betrieb der App, während Matze und Philip ihre Reichweite und ihr Gespür für Storytelling nutzen, um das Produkt bekannt zu machen.
Bevor wir jedoch in die Umsetzung gingen, wollten wir überprüfen, ob es außerhalb unserer eigenen Bubble überhaupt ein echtes Bedürfnis nach einer solchen App gibt.

Gemeinsamer Workshop in Berlin

FigJam Board des Workshops
Der Reality-Check: 18.000 Menschen und die Frage nach dem "Warum?"
Bevor wir bei Format D die erste Zeile Code schreiben oder Design-Entwürfe ausarbeiten, stellen wir uns stets dieselbe grundlegende Frage: Ist das nur eine nette Idee von uns oder gibt es dafür da draußen ein reales Bedürfnis?
Wir hatten zwar ein gutes Bauchgefühl und fundierte psychologische Argumente, wollten aber verlässliche Rückmeldungen. Deshalb nutzten wir die eng verbundene Community von Matze und starteten eine Befragung unter den rund 18.000 Abonnenten seines Newsletters. Wir wollten wissen, ob sich die Menschen nach einem ruhigen, digitalen Ort sehnen, der ausschließlich für sie und eine einzige andere Person reserviert ist.
Die Rückmeldungen waren überwältigend und gaben uns die nötige Gewissheit. Das Feedback zeigte deutlich, wie müde viele vom ständigen Lärm klassischer Netzwerke sind. Die Menschen wünschen sich Entschleunigung, Privatsphäre und Werkzeuge, die der mentalen Gesundheit guttun, anstatt durch Vergleiche Druck zu erzeugen. Gestärkt durch dieses klare Feedback machten wir uns an das konkrete Produktkonzept.
Unter der Haube: Ein flexibler Tech-Stack und höchste Sicherheit
Ein fokussierter Funktionsumfang bedeutet keineswegs, dass man bei der technischen Basis Abstriche machen kann im Gegenteil. Gerade weil wir ein neuartiges Nutzungserlebnis gestalten wollten, mussten wir in der Lage sein, flexibel auf die Erfahrungen der ersten Nutzerinnen und Nutzer zu reagieren.
Wir wählten eine moderne und wandlungsfähige technische Architektur, die uns diese Beweglichkeit erlaubte. Das System musste einerseits so stabil sein, dass es wachsenden Zugriffszahlen problemlos standhält, andererseits schlicht genug, um Anpassungen nach den ersten Testphasen zügig umzusetzen. Ebenso zentral war für uns von der ersten Minute an die Sicherheit der Daten. Da die App einen geschützten Ort für sehr persönliche Momente bietet, hatten Datenschutz sowie der Betrieb auf Servern in Deutschland für uns höchste Priorität.
Das Monetarisierungs-Dilemma: Einmal Pizzaessen für die Freundschaft
Eine der spannendsten Fragen betraf das Geschäftsmodell: Wie finanziert man ein digitales Produkt fair, dessen Ziel es gerade nicht ist, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange am Bildschirm zu halten?
Übliche Apps setzen meist auf maximale Nutzungsdauer, um Werbung auszuspielen oder Daten auszuwerten. Beides kam für uns nicht infrage. Werbung würde die ruhige Atmosphäre augenblicklich stören, und der Verkauf persönlicher Alltagserlebnisse widerspricht unseren Werten zutiefst.
Wir mussten ein ethisches Monetarisierungsmodell entwickeln. Die Antwort war ein transparentes Abo, das wir konzeptionell neu aufgeladen haben: Nicht als lästige "Paywall", sondern als bewusste Investition in eine wichtige Freundschaft. Von Anfang an stand der Gedanke, dass es maximal im Gegenwert von einmal gemeinsam Pizza essen gehen, kosten sollte. Um zu verhindern, dass Bezahl Hürden zwischen zwei Freunden stehen, entwickelten wir ein eigens durchdachtes Gutscheinprinzip („Smart Gifting“). Als User kann ich für mich ein Abo abschließen, habe aber die Möglichkeit, in Form eines generierten Gutschein meinen Bestie einzuladen. So schaffen wir die Option, dass es ein schönes Geschenk und ein bewusstes gemeinsames Entscheiden für Das Beste des Tages wird. Mit diesem Modell können wir die App fair, transparent und komplett werbefrei anbieten .

8 von über 100 Screens des Figma Prototypen
Die Endgegner: Apple, Google und die Bürokratie
Jeder, der digitale Produkte entwickelt weiß: Die App fertig zu programmieren, ist oft nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist es, sie erfolgreich durch die Türsteher des Internets zu bekommen.
Gerade unser Modell mit dem Gutscheincode für die zweite Person ließ sich nicht ohne Weiteres in die vorgegebenen Standardraster der Plattformbetreiber einordnen. Das bedeutet für uns intensive Abstimmungen, das Prüfen von Richtlinien und detaillierte Nachfragen während der Freigabeprozesse. Durch ausgiebige Recherche und den gezielten Einsatz von KI konnten wir diese administrativen Hürden schließlich Schritt für Schritt meistern, ohne Kompromisse bei unserer ursprünglichen Idee machen zu müssen.
Der Feinschliff: Von der Warteliste zum Launch
Aufgrund der großen Resonanz in der Community richteten wir frühzeitig eine einfache Landingpage ein, auf der sich Interessierte für einen vorzeitigen Zugang eintragen konnten. Zum Start der App nach knapp neun Monaten Entwicklungszeit hatten sich dort bereits über 2.600 Menschen registriert.
Mit der Freigabe in den Stores starteten wir in orchestrierte Testing-Phasen. Nach einer Beta-Testphase mit 30 Personen, luden wir die 2.600 treuen Unterstützer der Warteliste am 1. Oktober exklusiv zum Early Access ein, sammelten Feedback und stellten sicher, dass das Onboarding absolut flüssig funktioniert. Am 18. Oktober folgte dann der offizielle Public Launch, flankiert von einem strategischen Pitch-Paket an Apples Redaktionsteam für begehrte Feature-Spots.
Fazit: Vom Projektgeschäft zum eigenen Venture
Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Matze und Philip war für unser gesamtes Team eine enorme Bereicherung. Wir konnten voneinander lernen und diese gemeinsame Energie direkt in das Produkt einfließen lassen. Matze und Philip haben das Projekt von Beginn an mit ihren Ideen und ihrer Begeisterung bereichert.
Für uns als Digitalstudio war dieser Weg ein wichtiger Entwicklungsschritt. Wir haben uns schrittweise vom reinen Dienstleistungsgeschäft hin zu einem eigenen digitalen Produkt bewegt. Innerhalb von nur einem Jahr gelang es uns, von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung eine eigenständige App mit all ihren organisatorischen, technischen und unternehmerischen Facetten auf die Beine zu stellen.
Das Ergebnis? "Das Beste des Tages" ist mehr als nur eine App geworden. Es ist der Beweis, dass digitale Produkte nicht laut, suchterzeugend oder datenhungrig sein müssen, um zu funktionieren. Wenn Technologie auf Psychologie und echtes menschliches Bedürfnis trifft, reicht manchmal schon das radikalste Minimum, um einen maximalen Wert zu schaffen.

